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Kazinczy Ferenc – Rumy Károly Györgynek
Széphalom, 1816. január 6.
Széphalom den Jänner 6. 1816.

Theurester, geliebtester Freund,
Seit fünf Wochen arbeite ich nichts als an der Streitschrift mit Beregszászi und Prof. Zsombori, zu Karlsburg in Siebenbürgen. Szemere hält sich seit May in meiner Gegend, zu Lasztócz, (eine halbe Stunde von Kázmér; von hier, wie Kázmér, zwey Stunden weit) auf; heute schickte ich zu ihm, um einige ausgelesene Bücher und Schriften zurückzuerhalten, und er machte mir den Antrag, daß mein Werk mit seiner Arbeit verknüpft erscheinen soll. Er hat meine Arbeit gelesen; ich brachte die Feyertage bey ihm, das ist in dem Hause seiner Schwiegermutter zu, und hatte meine Papiere mit; ich selbst las sie ihm und H[er]rn Prof. Kézy, der auch dort war, vor: ich las von seinen Papieren nichts; aber ich willigte in seinen Antrag, und schickte ihm alles was ich fertig hatte, über, damit er Wiederholungen ausweicht, und Stellen, die in seiner Arbeit vorkommen, bezeichnet. Zum Schweigen werden wir unsere Orthologe nicht bringen, aber der Sieg ist unser. — Der Titel meiner Schrift ist: Wieland a’ Német Nyelv és Literatúra felől. — Tűkörűl azoknak a’ kik a’ Magyar Nyelv és Literatúra felől ítélnek, ’s feleletűl Prof. Beregszászi és Zsombori Uraknak ’s társaiknak, kik a’ Nyelvʼ romlását panaszolják. Παταξον μὲν, ἄκουδον δὲ. (Üss, csak szólani hagyj.) Themistocl. Bʼs u. Zss Namen mußten hier vorkommen, damit die Leser des Mondolats und der übrigen Schriften wider uns Neologen schon durch den Titel angelokt werden.
Ich will Ihnen sagen, was hier steht: § 1. Während daß ein Theil der Nation über die Fortschritte, die ihre Literatur und durch diese ihre Sprache macht, a’ másik fél félre veri a’ harangot, tüzet, halált, végromlást kiált, und macht was Erschrecker und Erschrockene bey einem Feuer-Signal zu machen pflegen.
Wir schämen uns nicht zu gestehen, daß die Zahl der frohlockenden kleiner ist; dies liegt in der Natur der Sache; aber wir wundern uns in der Zahl der Gegner Männer zu finden, die würdig wären auf einer besseren Seite zu stehn, die uns zurufen: Tu quid ego, et quid plebs (Horaz sagt populus) mecum desideret, audi.
Dieser Feuerlärm ließ sich zuerst hören, als Báróczy aufstand. Vorwürfe der Orthologen wider Báróczy. Das sey nicht ungrisch. Wir wollen unsre Sprache durch Schminke der Ausländer nicht verunstalten.
Nach einem Lustrum stand ein zweites Triumvirat auf. Szabó Dávid, Rajnis, Révai. Auch das war ihnen nicht recht.
Wieder ein Lustrum, und Barczafalvi Szabó Dávid erschien mit seinen neugeprägten Wörtern.
Szabó und Révai hatten auch darin große Verdienste, daß sie viele veraltete Wörter in Curs brachten. Dugonics, Verseghi. Jeder von diesen schmiedete auch neue.
Schreiber dieses glaubte von jeher, unsere Sprache und Literatur könne sich nur durch ähnliche merés (ausus)*
(ausus) <schw>
emporschwingen, und wagte. Seiner jüngeren Jahren [!] Werke waren mit einem Beifall aufgenommen, die nicht vielen Schriftstellern geschenkt wird; in seinen ältern Jahren hat er die Satisfaction, daß er von dem*
dem <kle>
grossen Haufen Missbilligung und nicht selten Kränkungen in dem Maß erhält, in welchem er bey den Kleinern geliebt und geachtet wird. Ruhm ist einem jungen Schriftsteller alles, dem Veteranen wenig mehr als nichts. Hier ziehe ich die Larve von einigen meinen Gegnern ab ohne sie zu nennen, und ohne Particularitäten zu erzählen, welche sie verrathen könnten. Sie selbst werden es aber verstehn, und dieses ist mir genug.*
es |aber verstehn, und dieses ist mir genug.| [Apróbb betűkkel betoldva a sor alatt.]
Der erste, der wider mich auftrat, war Somogyi. Ich schwieg. Was Szemere und Kölcsey wider ihm [!] schrieben, ist ohne meinem Zuthun und Zureden geschehn; ich sah das M[anu]s[cript] nie, und das gedruckte nur da es an den Gränzen von Moldau schon circulirte.
Auch Helmeczis Anzeige zur Prӕnumeration habe ich nie anders als gedruckt gesehn.
Der 2te war Herr Prof. B. — Der über Spr[ache] und Literatur urtheilen will, muß auch andere Dinge wissen als arabisch etc. etc. Diese sind dem Herrn Prof. ganz fremd. Er las nicht einmahl was er refutirt hat. Alle refutationen zeigen, daß er bloß das Mondolat kenne und nichts sonst. Szabós und Pápays Namen hörte er das erstemahl den 18. Apr. 1815. Csuda e osztán ha az illy Nyelv Tudósnak és Nyelv Tanítónak minden új, és minthogy az új egyszersmind rossz is mivel új, az illy Nyelvtanítónak és Nyelvtudósnak minden rossz?
Nun werfe ich ihm vor, daß er*
daß |er| [Betoldás a sor fölött.]
wenn er diese Bücher gelesen hätte, in diesen unseligen Streit sich nicht geworfen hätte. Seine absurde Behauptungen refutirt, aber wo er recht hat, alles zugestanden. — Dann Zsombori. Dann folgt Wielands Werk. Supplem. VI. Band, unter dem Titel: Was ist Hochdeutsch. Wider Adelung.*
# der Donau, quam ex erő; hinc enim recte ervény fluxisset, sicut ex nyelő Schluder nyelV. [Megjegyzés a lap bal szélén a levél soraira merőlegesen.]
Szemere schreibt mir, seine Arbeit sey nichts als Lexicon. Bey jedem Wort die Stelle angeführt, wo es vorkommt. Bey jedem neuen angeführt, wer es schmiedete; warum sie gut oder schlecht zu nennen sind. Die Idee ist mein, und er bediente sich meiner Notaten und Bücher. — Ich selbst konnte das nicht thun, weil ich von mir hätte sprechen sollen.
Ich glaube die Wirk[un]g wird frappant werden. Da unsere Orthologen nichts lesen, weil sie alles verschmähn, so werden sie sehn, wie manches seinen Grund hat, was sie zu belachen die Güte hatten. Ich denke ganz wie Wieland. Ganz anders ist es bey einer Sprache, die seit immer durch ihre Schriftsteller gebildet ward, und bey einer die erst sich jetzt zu heben beginnt, und welche fremde Wörter in gewißen Fächern ganz und gar nicht leidet, und so viele Wörter als Tugend, Bescheidenheit, Geist, zart, Geduld etc. entbehrt, denn jóságos cselekedet, békességes tűrés, und levegő ég sind ja nicht zu leiden. Der Rec[ensent] von Báróczis Schriften in den Wiener Annalen, denn ich schon sehr gut errathe, hat vergessen, was*
<das> |was| [Betoldás a törlés fölött.]
Jenisch (Vergleich[un]g von XIV europäischen Sprachen) von Gustav III. K[önig] in Schweden sagt, der das Lexicon der schwedischen Sprache mit vielen neuen Wörtern bereichert hat. Dieses ist auch in der russischen geschehen. Doch sey’s, es sey kein Beispiel da. Ich fragte in Báróczys Leben: Was ist besser, eins zu schaffen, um nicht ewig ohne es zu seyn, oder es nicht zu schaffen, und es ewig zu entbehren? — Und ist dann das rény*
<e>rény
(erény, von erő)*
Szabó von Barót schuf das erény. [Betoldás a zárójeles szakasz fölött.]
und*
und <Levegő ég>
Levegő ÉG contracta lég ein Laut aus der Luft gegriffen?
Sagen Sie mir, th[eurer] Fr[eun]d, sollen wir immer Sprachverderber seyn, weil nicht alle alles errathen oder wissen? — Hier erst sage ich meiner Nation eine Wahrheit, die sie noch nicht weiß. Diese ist die folgende: — „Ja, wir sind unserer Abstammung nach Orientaler, aber die Literatur der neuen Nationen*
Nationen <ist auch>
im Occident ist auch unser, und diese hat Verwandtschaft zwischen ihnen und uns geknüpft, welche so viel als unsere vergeßbare orientalische Verwandtschaft gewiß werth ist. Sie rücken uns immer vor a’ Magyar Nyelv természete. Diese tasten wir nicht an, wir gebrauchen die suffixa wie vorhin, unsere Etymologie und Syntax ist dieselbe. Wir schmücken uns nur mit ihren phrasen und locutionen, wie der Römer sich mit denen der Griechen, weil die griech. Literatur auch die römische war. Der ganz griechische Catull hat seine Gedichte dem Cicero gewiß nicht so zugeeignet, als ich die meinigen dem Somogyi Gedeon zueignen würde und der peregrine transmarine Properz war zu Rom nicht was ich meinen Feinden seit ich den Kisfaludy recensirt habe, denn mein Unheil datirt sich von diesem Vorfall.*
Erény dixit Baróti Szabó David pro virtute. Sed erény non indicat originem, nam erény, citius, deduxerit ex.[Megjegyzés a lap bal szélén, bizonytalan olvasat. ]
Hinfort verrathe ich weder meine Recensionen noch die meiner Freunde. Sie haben Unrecht, m[ein] l[ieber] Fr[eund], wenn Sie Chemia Kémia schreiben. Selbst der wüthendeste Purist wird Echo gewiß nicht Ekó, sondern nur EKHO schreiben. Ich halte dafür, daß man fremde Namen und Wörter wie sie der lateiner oder sein Volk schrieb, schreiben müsse. Auch ich schreibe und sage Chemia nicht Chymia. Töv. és Vir. aber man sagt auch noch immer Chymia, und warum alchymia und nicht alchémia*
alchémia <..?>
arab. griechisch.? Eggy, eggyes, eggyezni, eggyütt. So spricht alles; aber egyenes ist eine Ausnahme, wie egyedül. Révai wollte das Wort in die Leiste schlagen. Niemand folgte ihm. Tele, gibt das noch immer übliche nicht veraltete teli, und dieses teli-es, das ist teljes. — Ich hörte nie ismétíteni. Nie!*
Nie! [Átírással javítva.]
Selbst ismétleni nur von Helmeczi. (S. 2. dieses Briefes blieb ich bei dem Wort nyelv ex nyelő, participium von glutio stehn, und ich fahre fort: erény ergo malӕ formationis vocabulum est; dubiae originis; et cum erény syllabam primam ex unica vocali, eaque brevi constantem habeat, non videtur apta ad designandum id quod vim notare debet. Szemere et alii Pestienses itaque abjecerunt vocalem e, retento vocabulo rény; quod commendatur ipsa brevitate, nam rénytelenségeinek una syllaba brevius est.) Vergessen Sie dieses nicht anzuführen. Ich werde es in meinem*
meinem <letzten>
Werk, das ich unter der Feder habe, sagen, und so wird der Leser der Rec[ension] glauben, Sie schöpften es dorther. — Meine neun Bände werde ich Ihnen darlegen, und das um so gewisser, weil ich diese eben in diesem Werke selbst recensirte. Ich erzähle dem Publ[icum], wie ich den Entschluß fasste, diese zu arbeiten, was ich dabey mir zum Ziel setzte, wie ich verfuhr, und die Gründe warum so. — Ich begreife Schwartner nicht. Eine Streitschrift oder Recension würde mich nicht kränken, wie denn einen Schw[artner] dessen Ruhm gesichert ist. In Beregsz[ászi] ärgert mich, daß der hypochondrisch tolle Mann refutirte, was er gar nicht las, und bloss aus dem Mondolat schöpfte. Diese Behauptung ist unglaublich und doch wahr.
Mir scheint Sie haben recht,*
recht [Átírással javítva.]
wenn Sie auf einen Verdacht fallen, da Sie sehn, daß einer Ihrer Collegen Ihre Vorlesungen besucht und Ihre M[anu]s[cripte] copirt. — Ich lasse meine Tövisek etc. neu drucken, und Himfys Namen kommt nicht mehr vor. Auch 3 bis 4 andre Epigr[amme] nicht, dafür ich neue gebe. In Lasztócz dichtete ich eins, das gute Wirkung hervorbringen muß. Csarnok ist bey Zrinyi Amphitheatrum. XV. Ges. 83. Strophe, — und Palladio bauete ein solches in Vicenza. A’ NYELVRONTÓK ist der Titel des Epigramms. Rontott, mert építeni akart Palladio; benne csak rontót látál, vad kora, jó ideig. || A’ Mívész érzette magát, ’s Neked én fogok, úgymond | Törvényt és példát adni, de nem te nekem. || ’S ím áll a’ roppant csarnok, ’s bizonyítja ki több itt, a’ mívész e vagy a’ szolgai tompa szokás. Palladio verdarb, weil er bauen wollte; du sein wildes Alter, sahst in ihm eine geraume Weile nichts als den Verderber. (Er schaffte und Vignola die gothische Architectur ab.) Der Künstler fühlte sich und sprach: Nicht du wirst mir, |sondern ich dir, Gesetz und Beispiel geben. Und siehe das Prachtgebaude steigt, und zeigt, ob hier der Künstler grösser sey oder der servile, unwissende Usus. In einer zweiten Nacht, während in dem nemlichen Zimmer Kézy neben mir schnarchte, recitirte ich mir folgende Verse der Iliade im Finstern, weil ich sie auswendig weiß: Η, και κυανεησιν επ᾿ οφρυσι νεύσε Κρονιον, Αμβροσιαι δ᾿ αρα χαίται επεῤῥωσαντο ανακτος Κρατος απ᾿ αθανατoιο μεγαν δ᾿ ελελιξεν Ολυμπον. und bis Kézy erwachte, hatte ich sie fertig: Mondá ’s barna szemöldjeivel hunyoríta Kronion, ’s ambroziás haja fellebbent a’ Rettenetesnek (dem Hehren) Homloka’ szent bérczén, ’s megrendűlt a’ nagy Olympusz. Selten war ich mehr mit einer Arbeit von mir zufrieden. Lesen Sie den Brief den ich hier beylege; überlegen Sie es bey sich wohl, ob es für Sie nicht schädlich sey ihn zu übergeben; ohnehin weiß man, daß Sie mein Fr[eun]d sind, und übergeben Sie ihn, oder cassiren, ganz wie Sie gut finden.

Siehe den Umschlag.

Irritabilität kommt oft von physischer Abschwächung. (Auch ich bin unendlich reizbar, erstens von der Natur, zweytens wegen den vielen Leiden, die ich seit 1794 ewig trage. Ich begreife nicht wie mein Franz Moor sich nicht schämt zu zeigen, daß er an Kränkungen, die jetzt nur gering seyn können, aber darum eben so schmerzlich sind, eine teuflische Freude hat. Ich s[ehe] ihn jetzt nie.) Haben Sie Geduld, aber thun Sie was ich in ähnlichen Fällen thue, wenn sie sich regen; ich vergesse nicht was ich bin. Nachgiebigkeit ist nicht immer anzurathen. Aber dieses muß ohne Härte, ohne Stolz geschehn, und mit dem edlen Kampf, da wir auch dann, wann wir hart scheinen, liebend bleiben. — Beschreiben Sie mir doch nach der Reihe ihre Kinder, und wie jedes von ihnen aussieht, was sie versprechen. — Ich wünschte, daß Sie den beygelegten Brief abgeben könnten. Fassen Sie dann den Herrn recht ins Gesicht. Adieu, lieber Freund, ich umarme Sie herzlich. Wie hat Ihnen meine Vorrede zu die Monum. Hung. gefallen? Was wünschen Sie anders? Vor allen andern sagen Sie mir, was geschah mit dem beigelegten Brief? — H az erény*
H az erény [Utólagos bejegyzés, sötétebb tintával. Bizonytalan olvasat.]

Den 7. Jan. 1816.

[A boríték hátlapján címzés.]