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Kazinczy Ferenc – Rumy Károly Györgynek
Széphalom, 1808. szeptember 5.
Széphalom, den 5ten September 1808.

Mein würdiger Freund!
Ich apocopiere die Courtoisie, denn ich kann es nicht übers Herz bringen, Sie einen Hochwürdigen zu nennen, nicht als wenn mir Ihr neuer Stand weniger respectabel wäre, als er es jedem vernünftigen Menschen seyn muß: sondern weil es mir wehe thut, daß Ihre kostbare Zeit dem Geschäfte geopfert wird, mit welchem Sie sich in ein Fach hineinarbeiten müssen, daß Ihnen ganz neu ist, wenn Sie zu Debrezin gleich ein parmal Ihr Evangelium gepredigt haben. Männer, wie Sie, sollten verurtheilt werden, in einem Prytaneum *
Prytaneum <zu>
genähret zu werden: die Gemeinde zu Schmölnitz fände schon einen guten Hirten, welcher sie auf den Fluren des Seligwerdens weiden und von jeder Seuche und Umfall [!] verwahren könnte: aber wer entschädigt das literärische Publicum für die durch die Schmölnizer uns gestohlene Zeit? – Kämen Sie doch nach Patak, um diesen indolenten Leuten Feuer, diesen süffisanten Leuten etwas Niesewurz zu geben! und mir? einen schätzbaren Freund, einen Wegweiser, Unterrichter!
Wie sehr bedaure ich, daß Széphalom nicht mitten in Zipß, oder vielmehr daß die vielen evang. Gemeinden, die so vortreffliche Köpfe unter ihren Predigern hat, nicht um Széphalom zerstreut sind. Ich finde hier keinen Menschen, dessen Studien mit den meinigen analog wären, den einzigen Prof. Szombathy ausgenommen, der aber nicht ganz accessibel ist. Und was kann ein Kopf? was mein Kopf allein?
Ich stehe mit meinem Cserey auf einen Fuß, wo ich in seine Tasche frey hineingreife, und er auch wieder frey in die meine, wenn daraus etwas zu irgend einem guten Zwecke genommen werden muß. Und so schließe ich Ihnen die 26 f ohne sie angerührt zu haben zurück. Sie müssen viel Ausgaben gehabt haben bey Ihrer Consecration, und translocation. Nehmen Sie es, Freund, als die uneigennützigste Gabe der reinsten Freundschaft an, nicht als die Gabe eines Stolzen, Hochmüthigen; es giebt sie ein Bettler dem andern. Durch Unfälle bin ich es so ziemlich, und bleibe es so ziemlich bis ich und mein Weib das unsrige erhalten werden; und wenn Sie eine so schlecht besoldete Stelle, wie die Professur zu Leutschau war, annehmen mußten, so sind Sie es ziemlich auch. – Lassen Sie mich Ihnen aber über dies noch etwas geben: Ihre Gegend hat keinen Wein. Zwey Faß Ujhelyer ordinärer Wein vom Jahre 1807. steht für Sie in meinem Keller. Machen Sie Anstalten, daß irgend ein Metzensaifer, der den 1. Novbr. auf den Ujhelyer Markt erscheinen wird, sie mitnehme.
Dies Buch schicke ich Ihnen auch als Geschenk. Es ist Ihrer Aufmerksamkeit werth. Sein Vf. liebt mich, ohne daß ich ihn persöhnlich könne [!]. Er war es, der die juridische Terminologie, die das*
<zu> kihúzva, die das lentről betoldva.
Weszprémer Comitat drucken ließ, so glücklich arbeitete. So wie ich von der Erscheinung dieses Werkes durch Kultsárs und Decsys Zeitungen unterrichtet war, so bestellte ich mir gleich eins beym Eggenberger und auch bey Institóris, und so habe ich deren 3. expl. – Es that mir wichtige Dienste während meiner Arbeit an der Preisfrage, denn auch ich zeichnete eine Skizze des Fortganges, den*
<den> fent betoldva, majd kihúzva.
unserer Sprache und Literatur gemacht hat.
Ich gehe allem Anscheine nach den 10ten September nach Wien ab, und bin erst in fünf Wochen wieder hier. Die Preischrift und andere Sachen, die mich vor meiner Abreise in Drang nahmen, erlaubten mir nicht, Verseghys Aglaja ganz zu recensiren. Ich lege das, was ich schon fertig habe, auf die Seite, um es Ihnen in October zuzuschicken. Stabulum Augiae! das Recensiren ist eine schwere Strafarbeit. ––
Ich bin neugirig zu wissen, was die Haller und die Göttinger Böses und Gutes von Ihrem Almanach gesagt haben. In dem Aug. Heft der Wiener Annalen, so wie auch schon in Jul. fand ich wenig, was mich anzog oder mein Blut aufjagte. Nun hoffe ich darin auch bald auf die Schandbühne gestellt zu werden, weil meine Magyar Régiségek és Ritkaságok, 1. kötet bis jetzt wohl erschien. Man wird mir vorwerfen, de ressentir le sol, das heißt alles auszukramen was ich weiss, wie die Ungarn es pflegen.*
weiss, |wie die Ungarn es pflegen| [Betolás a sor fölött.]
Aber ich that dies absichtlich, damit mein Buch nur recht dick werde, weil ich besorgte, wenn*
[..]nn [Átírással javítva.]
es dünn wird, wird es auch ein zweytesmahl untergehn. Auch wollte ich durch das alles, was ich hinein schrieb, die Neugierde und das Interesse quam minime paucorum erwecken, damit das Buch stark gekauft werde, und der arme Institóris keinen Schaden erleide, ja Anlaß habe mich zur Fortsetzung aufzufordern. (Sylvesters exemplar, das aus dem einzigen Gedruckten abgeschrieben ward, kostete mich ohngefehr 100 f. und das Portrait meines*
Portrait <des> |meines| [Betoldás a sor elején.]
Onkels ist durch mich dem Institoris hingeschenkt. Er gibt mir auch nicht ein einziges exempl. Der ganze Gewinnst bis auf den letzten xr ist sein.) – Ich wünsche das einzigemahl, mein Freund, daß dieses Werk durch einen Freund recensirt werde. Sie wissen, daß ich Sie beym Egyveleg Irások bat, dies Geschäft einem andern, mit dem ich in gar keiner*
keinen [Átírással javítva.]
Verbindung stehe, zu überlassen. Und ich wünsche, daß die recension so lang als nur möglich sey. Besonders, daß der meine Vorreden recensiren wird, die §§. der Utólirás, wo ich über Földis Grammatik und die der Debreziner, und dann über Verseghys Streit mit Revai [!] spreche, dies nicht oberflächlich thue. Die Schatten von Földi und Révai sind expürt, und Sie wissen, das zu thun ist heilige Pflicht der Freundschaft. Auch zeigte ja Ihr Moses, Hochwürdiger Herr Prediger, daß man sogar die heilige Tafeln vor Zorn zerbrechen kann, wenn man goldene Ochse anbeten sieht. Ein idoloclasta*
[...]lasta [Átírással javítva.]
zu seyn, fühle ich in mir so ziemlich den Beruf.
Leben Sie wohl mein theuer Freund, in dem heiligen weissen Hemd und den doppelten nyakravalócska! – Doch Scherz bey Seite. Hat die dissipation, der Sie so sehr ausgesetzt waren, Sie in dem Traum um Ihre Minna Sie*
[A szót ceruzával áthúzták.]
oft gestöhrt? Gestöhrt, sage ich, nicht getröstet, denn Trost ist in ähnlichen Fällen nicht so bald. Ich wünsche Ihnen Linderung, und erinnern Sie sich: Successore novo tollitur omnis amor! –
Damit Sie verstehen, was der Eutrapelus an dem Porträt des Kazinczy András sagen wolle, hier ein paar Anekdoten.
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 Franz Zichy ward 1790. Obergespann v. Zemplin. Er maßte sich an, Deputirte zum Landtag zu candidiren. Umsonst behaupteten die Stände von*
[.]on [Átírással javítva.]
Zempl., dies stehe ihm nicht zu; sie schicken zu,*
schicken |zu| [Betoldás a sor fölött.]
wem Sie [!] das meiste Vertrauen haben. Er ließ sich nicht schrecken und er candidirte: Alles ward niedergeschlagen und muthlos. Alles schwieg.
K. A. hob sich auf. Ew. Exc. candidiren also die Ebengenannten. Da ich eben so viel Rechte zum Candidiren habe, wie Sie, so schlage ich Szirmay László und Szulyovszky vor. – Dies wirkte. K. A’s Candidirten wurden gewählt, und der Obergespann ward fast vom Schlag gerührt.
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Diese zweye kamen vom Landtag nach Haus, und das Comitat schickte anstatt ihrer den Szirmay Antal, Präsident von der Districtual-Tafel und den K. A. – 1790. bey der Krönung war viel wegen Religion gestritten. Die Protestanten überließen ihren Schutz aufgeklärten Catholiken. Szirmay Antal gehörte in ihre Zahl. Viele glaubten, Szirmay sey Luth., und K. A. catholisch. In einem Assemblée bey Karl Pálffy, wo auch der Kronprinz gegenwärtig war, stieß der Obergespann von Neograd, Joseph Batthyáni, dem man wegen seinen hochherausstehenden Augen den Spitznamen*
Augen |den Spitznamen| [Betoldás a sor fölött.]
oculi gab, und der der heftigste Gegner des Protestantismus war, an K. A. Auch dieser glaubte*
glaubte <mit>
einen*
einem [Átírással javítva.]
Catholiken*
Catholiken <zu>
in K. A. zu finden. Er abordirte ihn so: Aber sagen Sie mir um Gottes Willen, warum macht die Attention, die Sie für Ihren Protestantischen Collegen haben, gegen den Schutz unsrer Sache haben, so feig? warum sprechen Sie in der Affaire der Religion nie? – K. A. merkte seinen Irrthum, und wollte ihn sich*
ihn |sich| [Betoldás a sor fölött.]
zu Nutzen machen. Er zog ihn in seinen Irrthum noch mehr. Er wollte gerne, aber die protestantische Parthie schien ihm für jetzt stärker, besonders da der Hof, Pászthory und*
und <die>
sehr viele Catholiker für sie sich hinneigen. – Ja, sagte B., aber wenn wir das ausführen, was wir gestern oder vorgestern beym Erzbischof v. Kolocsa beschlossen haben? Nun kam K. A. in embarras; aber dies ließ er den B. nicht merken. Sie waren nicht dabey? fragte*
[..]agte [Átírással javítva.]
B. – Nein, antwortete K. A., er hätte*
<wäre> |hätte| [Betoldás a sor fölött.]
während dieser Conferenz in einer Deputation gearbeitet. – Nun kommen Sie, ich will es Ihnen mit 3. Wörtern sagen. K. A. folgte ihm willig, und das Geheimniß wurde durch den Tölpel an K. A. verrathen. – Der Schalk hatte es nicht genug, zu wissen was nöthig war, sondern als B.*
<er> |B.| [Betoldás a sor fölött.]
ihm nichts mehr zu sagen hatte, sagte ihm K. A. eine impertinenz. – B. war erstaunt, entfernte sich, und klagte dem Franz Barkóczy oder wem andern aus Zemplin, daß auch K. A. ein Catholik von der verrätherischen Parthie sey. – Was denken Ew. Exc. sagte ihm dieser, der ist ja a Kalviner. Nein. Ja. Nein. Ja. Es ward ein zweyter, dritter, vierter befragt.*
be[...]ft [Átírással javítva.]
B. ward versteinert. Man erzählte es dem Erzherzog, dem jetzigen Kaiser. Dieser schüttete sich vor Lachen fast aus, und sagte: Ecce, Apostolus Kazinczianus! – Und dieser Name blieb dem Batthyáni auf immer. –
Bey einer Canonischen Visitation ärgerte sich der selypen beszéllő Bischof von Siebenbürgen, Ignaz Batthyáni, der damals nur noch Groß-Probst von Erlau war, daß*
daß <man dem>
eine Dame dem stolzen Bischof Eszterhazy die Hand nicht geküßt. –*
– <dies>
Sein Eifer ergoß sich während einem ganzen Nacht-Essen, wo auch K. A. saß, aber Eszterházy ging nun auf und ab. Alles war müde der langen Predigt des B. Als er endlich sagte: ha a’ testi atyának meg lehet csókolni a’ kezét: miért nem a’ lelkinek? K. A. kam in eine laconische explosion: igen, lelki szájjal! war seine plötzliche Antwort. Und Batthyáni und Eszterházy wurden still.
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Das Pauliner Kloster tractirte eines Tags das Comitat. Als sie aus dem Refectorium kamen, sah K. A. am Corridor einen Pauliner abgemahlt, und eine Flinte an der Seite. Hát ez mi? Papnak nem puska kell, hanem könyv. Man sagte ihm, der Märtyrer sey erschossen worden. Az Isten dicsősségéért, a’ maga vallása javáért a’ Tekintetes Úr is*
is <megöletné m>
elszenvedné, tudjuk, a’ halált. – Én? schrie ihnen K. A. erschrocken zu: nem én, Isten úgy segéljen, 3 pálczát is. – Wenigstens ist das gegen fanatische Pauliner nicht unwahr.
 Kann sich so ein Mensch so ganz ungleich werden? Wohl gab es ein Quinquennium bey einem Nero. Auch andere Menschen zeigt die Geschichte in Menge von diesem Schlag. Aber ––. Napoleon pikkirt sich strenge Wort zu halten, und diejenigen, die das nicht thun, zu hassen. Ist das aus dem Rochefoucauldischen Grundsatz, weil man sie so sichrer betrügen kann? das könnte seyn. Aber es paßt nicht in meinen Character so etwas als möglich sich vorzustellen. – Und nun ein Wort über die Ausrottung des Bourbons. Ich sagte es einigen, die nicht meiner Meinung in Ujhely waren.
Als Brutus den Cӕsar ermordete, wollten seine Freunde, daß auch Antonius zwischen die Götter gejagt werde. Brutus, der moralische, leidenschaftlich moralische Mann, gab es nicht zu, weil es ungerecht sey. Die Geschichte zeigt, ob es nöthig gewesen wäre. – Was meynen Sie, hat Napoleon die Gefühle des Brutus, oder die der Cassiusse, Dolabellas? –
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Mir fällt ein Vorfall ein, den ich Ihnen nicht ohne Ursach erzähle. Sie errathen es ohne Mühe, (wenn Sie sonst die Umstænde kennen) wohin es gezielt ist. Nur bitte ich Sie dies in Ihrer Gegend nicht wissen zu lassen, denn dort würde man es jetzt leicht errathen.
Die Fürstin Eszterházy, geborene Lichtenstein, ließ sich durch die Emigrantin Madame le Brun mahlen. Das Gemälde kostete 1200 Dukaten. (Um dies Geld hätte es auch Füger gemahlt, und ich weiß also nicht, wie man auf die*
auf |die| [Betoldás a sor alatt.]
le Brun verfiel, es sey denn, um ihr ein Almosen zu reichen.) Die Fürstin, einer Italiӕnischer Sängerin oder was sie sonst gewesen seyn mag, wirklich sehr unverdient nachgesetzt (denn ich sah sie beyde) gab ihr auf, in der Attitüde einer traurenden in einer verlassenen felsichten Insel zu mahlen. Im Hintergrund sah man einen wilden Esel männlichen Geschlechts. – Es war niedrig! sehr niedrig! wiewohl nicht ohne Wahrheit.
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Leben Sie recht wohl, verehrungswürdiger Mann! Ich empfehle mich in Ihre mir sehr schätzbare Freundschaft
Ihr
gehorsamster Diener
Fr. Kazinczy.

 Ich werde vielleicht im Júl. Wien sehen. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mich belehren wollten, wo ich dort schätzbare Bekanntschaft suchen soll. Glatz werde ich gewiß sehen. Ich war sehr oft in Wien, oft auch ziemlich lange. Aber da ich Wien seit 5 Jahren nicht sah, so würde es kein Wunder seyn, wenn ich manchen guten Kopf nicht aufsuchte, die erst seit dieser Zeit dort wohnen.