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Kazinczy Ferenc – Rumy Károly Györgynek
Széphalom, 1808. május 6.
Széphalom, den 6. May 1808.

Mein Herr Professor,
verehrungswürdigster, gütigster Freund!
Ich bin für Ihre Güte, meine Samml. Autographien durch die vor einer Stunde erhaltenen Beyträge bereichert zu haben, unendlich verbunden. Ich habe nie einen ähnlichen Unternehmen gehört, nie eine solche Sammlung gesehen; ich faßte selbst den Gedanken – das Blatt, welches einst ein grosser, oder auch nur ein guter Mensch berührt hat, auf welches ein solcher seine Hand legte, auf dem seine Augen geruhet haben, auf das seine Gedanken aus seinem Kopf, durch seine Hand geflossen sind, – wem wird so ein Blatt nicht heilig seyn? Wer wird nicht elektrisch gezückt, wenn er auf einem der von Ihnen mir geschenkten Blätter das Motto ließt: Nullum tam stultum odium est, quam veritatis! und darunter den Namen*
darunter |den Namen| [Betoldás a sor fölött.]
des*
des [Átírással javítva.]
für unser Vaterland so wichtigen, braven Grellmann? – Ich bin für Glatz nichts: aber ich hätte gewünscht, daß er mein Gesicht sehe, als ich seinen Namen durch seine Hand geschrieben erblickte. – O es ist schön, in euren Kreis zu gehören, euch zu gleichen, ihr Edlen! – Beym Anblick der Hand von Lowich, leider nicht seines Namens, erinnerte ich mich auf die Gefühle, die mich überwältigten, als ich sein lateinisches Werk über den Geist des Protestantismus 1791. las. Der Kalvinisch-gewordene, an beyden Augen – die leiblichen, nicht die geistigen – blind gewordene väterliche Onkel meines Weibchens ließ sich das Buch aus dem gedruckten exemplär meines Schwiegervaters, das dieser als einen Schatz bewahrt, abschreiben, und lebt ganz in diesen idéen. Ich lache schalkhaft darüber, und frage die zwey alte Herren, wozu denn dieser schreckliche Kampf, den Lowich kämpft und kämpfen muß, da man ohne allen Kampf seyn kann? –
Wir werden einig und nicht einig: aber braucht es denn Einigkeit in Grundsätzen, Dogmen, Gesinnungen? Lock war Christ, Collin protestirte dawider, und sie waren doch die verschlungensten Freunde. Gäbe Gott, daß alle Streitigkeiten über Religionen etc. ganz aus der Mode kämen, und daß man über das Systema rerum credendarum*
cred[..]darum [Átírással javítva.]
nur zwischen den vier Mauern der Kirche und des Katechismus Unterrichtes spräche, sonst aber ignoriren könnte, welche Farbe ein anderer trägt. – Ich gerieth weit ab von meinem Texte. – –
Ich kenne Ihre überwiegende unschätzbare Freundschaft für mich. Ich weiß auch, daß Sie eine ausgebreitete Correspondenz führen. Fahren Sie fort mein Unternehmen zu begünstigen,*
[.]egünstigen [Átírással javítva.]
und trachten Sie für mich Stammbücher, in welchen Namen, die im Ausland in Achtung stehen zu finden sind, zu erkaufen. Ich glaube, manche Witwe und Kinder irgend eines Predigers, der – nach dem bekannten Ausdruck von Schultes,
sein Evangelium am Fusse der Karpathen predigt,
würde sich nicht ungeneigt zeigen, so etwas für ein paar Dukaten herzugeben. Fände ich die Namen eines Wieland, Schiller etc. darin, (denn von Göthe, glaube ich,*
ich,<nicht>.
wurde schwer in solchen etwas zu finden seyn) so würde ich es gerne einlösen.*
einl[.]sen [Átírással javítva.]
Herr Hellner, Pred. von Eperjes, hatte einst eins, in welchem ich Gellerts Handschrift geküßt habe. – Dem unseligen Dobsa – wahrlich sehr unselig! – habe ich einst das Diplom der Mineralogischen Gesellschaft von Jena zurückgeschickt, weil ich mich zur Mineralogie gar nicht verstehe. Aber nachdem jetzt, diese Diplomen Göthe unterschreibt – es sey denn, daß seine Handschrift nur nachgeäfft wird, – so könnte ich die unverschämte Tollheit begehen, die Aufnahme darin zu suchen; ein Schritt welcher Winkelmanns Übergang zur ......... zu*
[A kéziratban is pontozással jelölve a hiány.]
vergleichen wäre, der um Rom sehen zu können, neophyte ward. –
Für die Mittheilung Ihres Catalogs danke ich Ihnen recht sehr. Ich habe etwas für mich herausgeschrieben*
|her|ausgeschrieben [Betoldás a sor fölött.]
ausgewählt, und schicke den Catalog morgen an Kézy, nach Patak. – Da Sie mir neulich schrieben, daß in der Leipz. Litt. Zeitung auch ungr. Werke recensirt werden, so bitte ich Sie, die folgenden Jahrgänge immer für mich aufzubewahren; die kaufe ich Ihnen um diesen Preis alle ab. Und Sie könnten die Freundschaft haben, solche für mich nicht erst beym Schluß des Jahres, sondern sobald Sie sie gelesen*
gelesen <haben>
und nicht mehr nöthig haben, zuzuschicken.
3 f. – Harles introductio in historiam linquae graecae.
Die der*
Die |der| [Betoldás a sor fölött.]
latein. besitze ich.
Auch diese habe ich einst
besessen. Ich leihe Bücher
aus, und werde betrogen.
- 50 Schütz, Aristophanes Nubes.
- 50 Meinecke. Sophocles Oedipus tyrannus.
1,40 Thomas. Conjecturae de Origine Hungarorum (Wenn das Werk complet ist.)
3,40 Meiners Geschichte der Wissenschaften in Griechenland und Rom. (Wird jetzt das 3temahl gekauft werden.)
25 f. – Leipziger Litt. Zeitung 1807.
35,00
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Nitschs Wörterbuch der alten Geographie etc. etc. würde ich gerne nehmen, wenn ich es nicht noch von meinem exil, wo ich es gekauft habe, mitgebracht hätte. Ich wünschte, daß solche Bücher von den Altern Ihrer Schüler angekauft würden. So wie auch Rupertis römische Geschichte,*
[...]hichte [Átírással javítva.]
wo die vortreffliche Tabula Genealogica Romanarum Stirpium*
[…] [Átírással javítva.]
vorkommt.
Seit mehr als zwey Wochen gibt mir ein verlegtes Papier, auf welches ich manches, das in die Vorrede der neuern Ausgabe von Sylvester[s] Grammatik kommen muß, skizzirt habe, viel zu thun. Ich suche meine Verschläge, in denen meine Bücher stehn, weil mein ziemlich großes aber nicht fertiges Haus, nicht Platz für sie hat, durch, und habe es noch nicht finden können, und es stehen da Dinge, auf die ich mich nicht erinnern kann, und die doch gesagt werden müssen. So wie ich mit dieser Vorrede fertig bin, mache ich mich an Versegys Aglája, und werfe das aufs Papier, was Sie dann zur Recension verarbeiten können. Dies darum, weil ich mich nicht gern aus meinem Styl errathen lassen möchte. Es ist unedel, mehr als bloß negativ edel, wenn man hämisch eines andern Ehre angreift, aus Neid, aus Groll gegen andere los zieht, und einen gutmüthigen, vielleicht nur von Eitelkeit und Eigendünkel verblendeten Menschen meuchelmörderisch anfällt. Aber Vergehungen und Verirrungen*
Vergehun|gen und Ver|irrungen [Betoldás a sor fölött.]
anzuzeigen ist heilige Pflicht. Der nur dies thut, hat sich nicht zu schämen, wenn ihm seine Ruhe gleich anonym zu handeln gebietet. –
Auch Himfys Szerelmei wünschte ich zu recensiren, wenn ich nur wüßte, was ich daraus machen soll. Vultu mutabilis, ater et albus. Horat. Es ist darin so viel schönes, so viel originelles, keinem Wesen nachgesagtes, daß ich den Menschen anstaune. Und wieder wie viel Unverzeihliches!*
[A sor vége nehezen olvasható.]
– Er*
E[.] [Átírással javítva.]
schickte mir neulich seine Sagen (Regék) zum Geschenk, wofür ich ihm zum Gegengeschenk Petrarchaʼs Bild von Morghen gestochen!!! mit den en crayon unter*
crayon |unter| [Betoldás a sor fölött.]
geschriebenen Worten schickte: Himfynek, csudálója, Kazinczy. Ungarn hat viel verloren, daß dieser geistreiche junge Mann, der in Wien als Gardist lebte, Italien sah, Kriegsgefangener war und seine petrarchisch-unpetrarchische Lieder in der Gegend von Vauclüse sang, seinen Geschmack nicht mehr verfeinerte, seine Sprache nicht correcter spricht, und daß er mehr Génie als Gelehrter, daß er nur Génie nicht auch Kunstgelehrter ist. Dann haben seine Liebeslieder auch den Fehler, daß einige Lieder eben so wenig von Gefühlen der Liebe als von den Mysterien der heil. Dreyfaltigkeit sprechen, und hier nur aus der Capriz aufgenommen worden sind, damit die Zahl der Lieder auf 200. anwachsen mögen [!]. Und manches Lied ist nichts Selbststændiges; es ist – die zweyte Strophe des Vorhergehenden!! – doch von allen diesem ein andersmahl.
Ihre Antikritik erwarte ich sehr ungeduldig. Aber ich hörte, daß der Recensent die Antikritik, nach ihrer löblichen Gewohnheit, wieder mit etwas begleiten wird. Es ist arg, was diese Herren treiben. Sie wissen, ich bin nicht dawider, daß man schlechte Sachen schlecht – Scapham scapham – nenne, daß man Recensionen mit Lauge vermische. Das hat viel Nutzen. Aber man sollte wenigstens gerecht seyn, und das ist man nicht immer. Dobsa’s Schrift ward günstig recensirt. Ich kenne den Mann, ich habe leider in Betreff eines Gutes, das er und die seinigen haben verkaufen wollen, mit ihm correspondirt, und weiß was an ihm ist. Andere Schriften werden aber verächtlich behandelt. Die Redaction müßte einen Recensenten, der an ähnlichen Vergehungen betreten wird, aus der Liste ausstreichen, und öffentlich nennen. – Ich nehme keine Parthie an dem Chemischen Werke meines Schwiegervaters, der in den Annalen*
der |in den Annalen| [Betoldás a sor fölött.]
grausam hergenommen worden ist, und habe in der Chemie etc. nicht die mindersten Kenntnisse. Aber noch war ich kein Glied seines Hauses, als er und Dr. Szombathy zu Pesth bey einem öffentlichen traiteur, wo wir während einem der Landtäge bey einer langen Tafel saßen, eintrat, und sich in einer Fensternische aufdecken ließ. Beyde riefen mich zu sich, und wir speiseten dort dreye. Der Graf und Szombathy sprachen von seinem Unternehmen. Er hatte die Antimonialtinctur noch nicht erfunden; etwas ging noch ab; Sz. hörte die Resultate seiner Speculationen, und wies ihn nach, wie er Versuche machen müßte, um seinen Zweck zu erreichen. Ich war gegenwärtig, hörte dies alles, kann auf Ehre bezeugen, daß Sz. ihm seinen Beyfall gab, vieles mit Entzücken hörte. Ich sehe täglich den untrüglichen Erfolg von dieser tinctur und von zwey andern bey ihm. Und nun tritt ein Medicus in den Annalen und im deutschen*
[A sor vége nehezen olvasható.]
Merkur auf, und macht ihn lächerlich, weil das was er sagt, nicht nach der Schule riecht.*
ri[.]ht [Átírással javítva.]
Ich bin kein Freund von Büchern, wo die Namen Theophrastus Paracelsus und wie die Weisen oder Narren oder beydes zugleich heißen; ich bin gewiß kein Beutelschneider, der unter Charlatans Verspr[ec]hungen*
[A sor vége nehezen olvasható.]
Gold für nichts erhalten wünscht: aber die Herren der Schule mögen sagen was sie wollen, wahr ist wahr. – Mein ehrwürdiger Schwiegervater, dessen Art zu denken in sehr vielen und sehr wichtigen Dingen nicht meine Art zu denken ist, hat beyden, Wieland und den Annalisten geschrieben, in seinem Tour, den, der unheuchlerischesten Modestie und wahren Ruhe geschrieben. Sie fanden für gut, nichts zu erwiedern, und ich bin dessen sehr froh. Kis’s schöne Ode an seinen Superintendenten ist in den Annalen gleichfalls lächerlich gemacht. Der Narr, der es recensirt hat, klagt, man könne nicht wissen, ob unter Gott Gott oder Jesus gemeint sey! – Dies ist doch alles, was man bey einem Gedicht sagen kann;*
sagen |kann| [Betoldás a sor fölött.]
als wenn das dem Poeten nicht gleich viel wäre! – Kis’s hat über die Recension herzlich gelacht, und sein Lachen war nicht sardonisch. – Ich wünsche, daß Ihre Antikritik Ihnen Genugthuung verschaffen und den Gang Ihres Almanachs beleben möge. –
Mit erneuerten Versicherungen meines innigsten Danks und Hochachtung
verharre ich
Ihr
gehorsamster Diener
Franz Kazinczy.
Tertina hat heute den 8. May bey mir übernachtet. Er reist v. Eperies nach Großwardein.*
[Ez a sor sötétebb tintával.]