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Kazinczy Ferenc – Genersich Jánosnak
Széphalom, 1813. november 11.
Professor Genersich Jánoshoz,
Késmárkra.
Széphalom den 11. Nov. 1813.


Also auch Sie – sogar auch Sie – sind den hohen Ideal meiner Seele, dem rauhen, aber ehrwürdig rauhem Cato, gram? Ich gestehe Ihnen, daß mich diese Zeile Ihres sonst, wie immer, schönen Briefes frappirt hat. – Die Welt erträgt mehrere Catons nicht, wie sie mehrere Sonnen nicht ertragen würde, und ich fühle Ihnen nach, wie sehr diese stoiste Unbiegsamkeit und härte, wohl mag ich auch sagen, dieser Starrsinn,*
[A „Starrsinn” fölött megismételve a két ’r’ betű, a szó kiolvasását megkönnyítendő.]
der guten Sache sehr oft schadet, sie oft ganz verdiebt. Aber ein Mann, wie die zwey grossen, die diesen Namen geführt haben, ein Mann den bey dem allgemein um sich greifenden Verderbnisse der Sitten wie ein Gott in seiner Glorie dasteht, ein Mann, bey dessen Anblick die Berauschten in dem Circus der Flora, wie von einem Blitzstrahl ergriffen inne halten; ein Mann, dessen Beyspiel den edlen Tyrannenmörder mit der weichen Seele (Marcus Június Brútust értem) zu derjenigen Hoheit der Tugend entflammte, welches Plutarch und das ganze Alterthum an ihn bewundere; ein Mann, der nicht aus Stolz, nein, sondern aus Vaterlandsliebe eines Römers, nicht aus einer maskirten Verzweiflung, sondern nach den Grundsätzen der Stoa und seinen Geist zu dem edlen Selbstmord durch die Schriften eines Plato stärkend, das Eisen in sich stoss, und seine verbundene Wunden aufzureißen stark genug ist – wie soll so ein Mann,*
ein <Mensch> Mann,
wie soll dieser Gottmensch von Ihnen, von Ihnen! verkannt seyn? – Wehe den Unseeligen, der mit seiner Rausheit überall anstoßt! Der sogar die hohen Tugenden eines Scipio anbellen konnte! Aber wehe auch dem Unrauhen, Geschmeidigen, der sich in Alles so leicht fügen kann! – Man rühmt die Leutseligkeit, den sanften Charakter des Horaz, seine Urbanitet, mit welchen er einen schlauen, verachteten, bösen Octavian schmeicheln konnte – er, den ein Brutus würdig fand für die Sache der Freyheit und der Gesetze in seinem Herr aufzunehmen und ihm sogar das Commando einer seiner Schaare überzutragen,*
Schaare <auf>zutragen, [Javítás a törlés fölött.]
und man spöttelt über den Stoismus des Juvenal, der nicht so leicht durch Ocatvians und Mäcenasse zu gewinnen war. Die Umstænde mögen dieses Benehmen dem mehr Dichter als Held Horaz angerathen haben, denn allerdings ist es thöricht, so für nichts und wieder nichts sich hinwürzen zu lassen. Aber gestehen Sie doch, geliebter Fr[eun]d, daß der Character eines Helvidius und Thrasea Pätus etwas ganz anders ist als der das schwachen Obersten der bey*
Obersten bey [Beszúrás a sor fölött.]
Philippi seinen Schild wegwarf und floh und jetzt hinseufzt: Cum fracta virtus, et fugaces, turpe! solum tetigere mento! – Mein Beyfall oder Tadel hebt oder schändet meinen mir so lieben Horaz nicht, eben so wenig als ist mein Beyspiel schänden oder heben könnte: Aber wäre ich in seiner Stelle gewesen, ich würde mich geschämt haben Umgang mit dem Bubem Octavian zu pflegen;*
[A „zu pflegen;” előtt a sor felső harmadában és utána az alsó harmadban egy-egy „+” jel látható; jelentése nem világos.]
und seinen Lieblingen so wie es mir immer sehr gefiel, daß der characterlose, schwache, eitle Cicero sich bloß durch die Betrachtung von Caesar nicht gewinnen ließ, daß es unwürdig wäre, ihm, dem Retter seines Vaterlandes, ihm, die das Volk durch den berührten Schwur bey seinem Abtritt aus dem Consulat beehrte, in die abscheulichte Cohors zu mengen, welche Clodius so zählte. Glauben Sie mir, verehrter, geliebter Mann, wir wären nie so tief gesunken wenn zu zweiten Catos unter uns aufstünden. Dies erinnern doch daß man anders seyn könnte, da wir andererseits an dem Beyspiels der Nachgiebigen sehn, daß an dem so so sehr angerühmten Tugend so sehr viel doch nicht seyn kann, indem diese sogar von den bessern mehr als eine schöne Idee, als ein imperirende Gesetz betrachtet wird. Kinder, die den Nepos*
den <Epaminondas> Nepos
lernen, staunen den Muth eines Epaminondas an, der Muth haben konnte arm zu bleiben, und alles scheint: so muss man seyn! Man rühmt die Enthaltsamkeit der grossen, die nicht so viel hinterließen, daß man sie stattlich hätte beendigen können, daß ihre Töchter die Kosten einer Hochzeit hätten erlangen*
[...]gen [Átírás.]
können, und wir sehen daß unter uns auch die Besten öffentliche Speculatoren sind, publice et privatim stehlen und rauben. – O, wie leben Catonenlose Zeiten!
Emerich Horváth (Stansitth von Gradecz) hatte vieles von einem neuern Cato. Seine unschönen Seiten sind mir bekannt; ich schaudere von ihnen. Sein unbændiger Haß gegen Fabricy (Luther. Pap) und die Specktakel die er in seinere letzte Jahren anstellte – o weg von diesen! – Und doch welch ein hoher, solch ein edler Mann in dem Jügen wo es einem Cato gleich. Ich bete den Gottheiten meiner Nation an, daß sie uns, diesem entarteten und entartet gemachten Volk einige Horváth Imre geben, und die Zahl unter Anticatone fune, rota, flammis vermindern wollen. – Hatte mich das Schicksal groß werden lassen, Cato wäre mein Muster gewesen; ein Zwerg macht sich lächerlich, wenn er einen Riesen abzielen will. – –