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Kazinczy Ferenc – Rumy Károly Györgynek
Széphalom, 1810. június 15.
Széphalom, den 15. Jun. 1810.

Theurester Freund!
Hier das verlangte Gedicht. – S. 4. habe ich Gotthard in Bernhard, Páphószom in Országom, und győzött in győzzön umgeändert; das erste, weil sich einige daran gestossen haben, daß ich Napoléons tour durch den Gotthard nehmen lasse, da er ihn doch durch den St. Bernhard genommen [!]. Dieß däucht nicht ebenso schal, als wenn man einem Dichter, der Raab an die Donau setzen wollte, die Belehrung gäbe, Raab liege an dem Rába und Rábcza, und nicht an der Donau. – Das zweyte, weil Kultsár sich in Páphósz dreyfach stieß; er meint nemlich, es hätte 1.) Páfus und nicht Páphusz, 2.) Păphus und nicht Páphus, 3.) Păfus und nicht Páfusz, ja 4.) nicht Paphosz sondern Paphusz geschrieben werden sollen. Voss hat demnach Unrecht, wenn er Küpris statt Cypris schreibt, und Vĕnus so mißt: Vēnus. – Das dritte weil Herr Prof. Sípos mir sagen ließ, durch Kézy, es würde besser gethan seyn, wenn ich in dem vorletzten distychon Venus sagen ließe:
Minerva hat durch Euch gesiegt: lasset nun auch Cypris*
auch <mich> |Cypris| [Betoldás a sor fölött.]
durch Euch siegen –
 als wenn ich jetzt sage:
Minerva hat durch Euch gesiegt: nun hat auch Cypris durch
Euch gesiegt. nehmlich [!] durch die Annahme des Geschenks, das Venus ihm macht.
 Ich glaube: es könnte auch so bleiben wie es bis jetzt stand, aber auch so stehn, wie es Hr. Prof. Sípos wünscht; und da ich keine Ursach habe, Sípos’s Wunsch nicht zu gewæhren, so freut es mich ihm zu bezeigen, daß ich Achtung für sein Verlangen habe. – Ich habe Kézy’s, Sípos’s und mein Gedicht an Dr. Decsy in Wien für den M. Kurir hinaufgeschickt, und in meinem Gedicht diese drey Varianten angebracht.
Ihr Schreiben zeigt mir daß Sie mich über das, was ich Ihnen wegen meiner abgedruckten Biogaphie geschrieben habe, ganz verstehen. Uns von*
<…> |uns von| [Betoldás a sor fölött.]
Weyhrauch*
Weyhrauch <von uns>
erschrocken zurückziehen ist eben so eitel, als ihn mehr und ængstlicher zu begehren, quam necesse est probo. (Sallust.) Ich hätte gewünscht, daß meine Biographie wæhrend meinem Leben nicht erschienen wære. Aber da sie nun erschienen ist, mache ich mir gar nichts daraus. Hæmische Gefrieser mögen in der Meinung seyn, daß ich selbst mich ausposaunen ließ. Für meine geschätzten Freunde ist mir genug, daß ich Ihren heute erhaltenen Brief ihnen vorweisen kann. Glauben Sie mir, ich bin vollkommen ruhig, so ruhig, als wenn diese Biogr[aphie] gar nicht erschienen wäre.
Ich bin begierig zu sehn, wie die Leipziger die Rec[ension] von Pápays Werk aufgenommen haben. – Den Döbrentey feyre ich immer an, seine periodische Schrift anzufangen. Dort will ich Himfy, der das Streicheln*
Str[...]eln [Átírással javítva.]
nicht leiden kann, wieder vornehmen, und sowohl seine Szerelmei als auch die Regék ausführlicher, doch nie anders als in meinem vorigen Ton vornehmen. So auch Verseghys Aglája und Pápays Werk.
Csehy (Jos.) Rittmeister bey Kais. Hussaren, ein grosser Linguist und Mathematiker, und einer der besten Köpfe des Landes, cui in dextra parte mamillae multum salit, schreibt mir von meinem la Rochefoucauld, daß er das Werk als eine „herculische Arbeit” ansehe. Nun das ist es wohl nicht: aber gewiß auch nicht eine so leichte, wie es Kultsár denken muß, da er in seiner Anzeige glaubt, der deutsche und franz. Text sey denen zu Frommen beygesetzt, die deutsch oder franz. lernen wollen. Ich wünschte, daß dieses Werk einen grossen ungr. Philologen zum Rec[ensieren] erhalte. Ich sah bis jetzt noch kein exemplar.
Ich bitte Sie, gehen Sie blindlings und ohne Zaudern nach Oedenburg. Wenn gleich jetzt die Theuerung groß ist, so wird das ja nicht immer so bleiben. Sie haben da Aussichten, die Sie hier nicht haben können. Und Wien in der Nähe! Das was hier folgt, nehmen Sie so ohne Anstand an, als ich es Ihnen gebe. Ich wünsche, daß Sie jemand finden, der Ihnen es leiht. Leben Sie recht wohl, liebster Freund!