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Verseghy Ferenc művei
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Verseghy Ferenc – Prónay Simonnénak
h. n., 1811. június 24.
Fortsetzung. Den 24ten Junij 1811.

Gnädige Baronin!
Den vorigen*
vor[.]gen [Átírással javítva.]
Brief schickte ich den nemlichen Tag nach Pest, als ich jenen von E. G. bekommen habe; aber die Gelegenheit war schon weggefahren. Nun bekommen also E. G. eine doppelte Portion Nachrichten von unsern lieben Laczi.
Als ich mit ihm neulich bei der Marczibány das erstemal war, fand ich sie zum Unglück beim Kartenspeil. Sie nahm uns sehr freundlich an, bediente uns mit Kirschen, konnte aber mit unsern Kleinen sehr wenig sprechen, weil die zwei Mitspieler in ihrem Spiele zu eifrig waren. Endlich machte Sie dieser Unterhaltung ein Ende; aber da kamm wieder die Post, daß uns die Gräfin Clary in unserer Wohnung erwarte, und so giengen wir nach Hause. Er betrug sich nicht blöde, nicht schüchtern, und auch nicht unanständig. Mit einem Worte: ich war mit seinem Benehmen vollkommen zufrieden.
Den 21ten lud mich S. Ex. Graf Szápáry zum Essen. Da die Marie schon längst gewünscht hatte, mit Laczi nach Pest fahren zu können, um Ihm einen Hut zu kaufen, so beschied ich sie mit Laczi in das königliche Schloß nach Mittag zu der Comteße Szápáry, um dann von dort mit Ihnen ebenfalls nach Pest fahren zu können. Vor der Mahlzeit sprach ich sowohl mit dem Grafen, als auch mit der Comtesse, und bath sie,*
Comtesse, |und bath sie,| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
meinen Zögling bei der letztern aufführen zu dürfen. Sie nahmen meine Bitte sehr freundlich auf. Besonders die letztere bath ich, unsern Laczi Muth zu machen, und mich bei ihm, als einen geschickten*
einen <[…]stigen><|freundlichen|> |geschickten| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Lehrer anzuempfelen. Sie lachte sehr über meinen Einfall; aber ich versicherte Sie, daß Ihr Beispiel und ihre Ermahnungen*
Beispiel |und ihre Ermahnungen| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
mir bei den Ossitzkyschen Kindern als ein mächtiger Sporn diente, und daß ich die nehmliche Wirkung bei Laczi noch sicheres hoffe. Ich führte ihn auf, und er hat sich wie ein gesetzter Visitenmacher betragen. Über eine halbe Stunde saß er der Comtesse vis à vis, und beschrieb*
und <erzählte> |beschrieb| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
ihr unbefangen in einem ernsthaften Tone mit der angenehmsten Naivität alle die römische und ungarischen Alterthümer, die*
die <um>
in und um Nandor herum zu sehen sind. Mit unter kamen andere Discourse zum Vorschein, wo er seine Gesinnungen mit gut gewählten Worten so neckisch vortrug, daß die Comtesse nicht aufhören konnte recht herzlich zu lachen, und sich endlich, da wir uns beurlaubten,*
beurlaubten, <ausb>
ausdrücklich ausbath, Sie mehrmal zu besuchen. Den Grafen sahen wir nicht, weil er seine Siesta hielt. Von da fuhren wir zu der Katzianer; dann kauften wir einen Hut, und fuhren nach Hause.
Als ich mit ihm zu der Marczibány das zweitemal gieng, war sie allein und tändelte mit Laczi sehr viel! Da war er aber schon zu Hause. Er gieng mit dem Carl nach erhaltener Erlaubniß von einem Zimmer ins andere, und schaute alle Merkwürdigkeiten an. Das Orgelwerk in dem Tafelzimmer ließ man spielen, und er hat dem Kammerdiener darüber tausend Fragen gestellt. Uebrigens war sein Benehmen auch hier unbefangen und sehr sittsam. Er saß mit*
mit <Ihrer>
der Frau auf das Sopha, und erzählte ihr manches, fragte sie, oder antwortete ihr sehr artig und bescheiden. Hieraus schließe ich, daß er nicht blöd, nicht*
nicht |blöd, nicht|[Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
menschenscheu wird.
Den 22ten gieng unter uns eine merkwürdige Scene vor, die aber gestern und heute die herrlichsten Früchte trägt. Der Karl macht ihm vor der Mahlzeit eine kleine Patrone, wie man sie zum Zimmermahlen braucht. Dieses unterhielt ihn; da aber die Patrone nicht mit Firnniß gestrichten war, so wurde sie bald schlapp. Nun*
Nun <soll vor>
gab er in meiner Gegenwart, da wir uns zu Tische setzten sollten, dem Karl Geld, er soll ihm Firnniß hollen. Wozu der Firnniß? fragte ich. – Ich will mit Firnniß bestrichene Patronen haben, und dann werde ich die Mauern von unsern Zimmern damit auszieren, war die Antwort. –
Ohne mein Erlaubniß wollen Sie solche Sachen bringen laßen, und du Karl, ohne mich zu fragen, dieselben verschafen? Geh du zu deiner Mutter, und Sie, mein Kind! gehen*
gehen <.>
mit mir und ihrem Gaste zur Tafel. Er lud seinen Liebling, den alten Ossitzky ein, der ihn mit deutschen Schnacken dahin bringt, daß er mit ihm unter der Tafel französisch spricht, und von ihm manche italiänische Sätze lernt.
Er setzte sich und wollte nicht eßen. Ich nöthigte ihn nicht*
nicht <meine>
mit einem Worte dazu, und winkte dem O. daßelbe zu thun. Endlich aß er Suppe*
muppe [Átírással javítva.]
und Rindfleisch,*
Rindfleisch, <…>
ohne ein Wort zu sprechen, und trozte. Nun*
<Endlich> |Nun| [Betoldás a törlés fölött.]
brach er in Drohungen aus: Wenn Sie*
[.]ie [Átírással javítva.]
mirs nicht erlauben, die Mama wird schon kommen, und wird mir so viel Firnniß kaufen, als ich will.
Mein Kind, antwortete ich, die Mama und der Papa haben Sie mir so*
mir |so| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
übergeben, daß selbst Sie ihnen ohne mein Wißen und Willen nichts kaufen*
kaufen <kö>
werden.*
werden. <Hier> |Nun| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Nun habe ich ganz allein mit Ihnen zu schafen.
Er lachte mich aus, und da ihm Pière wieder meinen Plan zum Essen bereden wollte, sagte er mir eine bitter Grobheit – nein! keine Grobheit, sondern einen kindischen Satz, den er sich vermutlich, als er mit seinen Schwestern allein aß, angewöhnt hatte. Ich zeigte mich höchst beleidigt, und machte ihn ziemlich scharf aus. Dann fieng ich einen andern Discours mit O. an. Von der dritten*
der |dritten| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Speisen trug ich ihm, wie gewöhnlich, etwas an; er aber sagte, daß er nichts mehr eße, stund auf, und machte uns ein Compliment. Er gieng in sein Schlafzimmer. Den Pière verboth ich aufs neue ihm kein Essen anzutragen, und überhaupt sich in meine Ermahnungen, und Belehrungen nicht hinein zu mischen. Dann lief ich zu der Marie, und bath sie alle*
alle <Spei>
Eßwaren, besonders aber das Brodt zu verstecken, damit er sich durch das geheime Essen nicht verderbe; und auch nicht schadlos halte;*
verderbe; |und auch nicht schadlos halte;| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
befahl aber zugleich, die Speisen, die er nicht gegeßen hat, aufzuheben. Schon beim Braten slich er wieder heraus, kroch auf der Erde, wo er sich noch immer herumkugeln darf, bis zu mir, und weil ich ihn nicht bemerkte, wieder zum O. wo er sich auf einen Nebenstuhl niedersetzte, und die Brodsamen von dem Tische wegklaubte. Hätte er sich zum Tische zurückgesetzt und ordentlich gegessen, ich hätte ihm kein Wort gesagt; aber ihn*
aber |ihn| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
dazu bitten wollte ich durchaus nicht, weil ich ihm das Trotzen überhaupt abgewöhnen will.*
abgewöhnen <wollte> |will.| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Das Desert wurde abgetragen, wir*
wir<d>
stunden vom Tische auf, O. beurlaubte sich, ich ging im Zimmer auf und ab mit dem ernsthaftesten Gesichte, und sprach nichts. Endlich fieng er an von seinem Sitze, ganz leise mich zu rufen: Geistlicher Herr! – Der es nicht hörte, war ichs. Er sagte das nemliche mehrmahl, immer mit lauterer Stimme. Ich bin ihnen kein Geistlicher Herr! ich bin ihnen ein Hund. – E. Gnaden werden sich auf seinen Lieblingssatz erinnern, den er auch*
er |auch| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
neulich der Marie sagte, und den ich jetzt als Wafen gegen ihn brauchen mußte, um ihm das Harte, was in diesen Worten liegt, fühlen zu laßen. – Unsern Hunde, dem Parisl, und die Marlina werfen sie gute Bissen,*
Marlina |werfen sie gute Bissen| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
haben sie lieb, sie liebkosen dieselben; ich bin Ihnen noch weniger, als ein Hund, weil Sie mich beleidigen.
Nun war er weg! Weinend fiel er vor mir auf die Kniee, bath mich um Verzeihung, und schwor Beßerung. Es versteht sich, daß ich ihn alsogleich aufgehoben, und ihm verziehen habe.
Aber vom Essen sagte ich kein Wort; denn dieses war wieder eine andere Frage. Ausgesöhnt giengen wir zu den Ossitzkyschen. – Ich möchte meinen Geistlichen Herrn recht gern bitten, daß er mir erlaube,*
erlaub[.] [Átírással javítva.]
Firnniß bringen zu laßen, sagte er in meiner Abwesenheit der Marie; aber er könnte glauben, ich habe ihn nur wegen den Firnniß um Verzeihung gebeten. Die Marie gab ihm bei dieser Gelegenheit paßende Ermahnungen, weil sie von O. schon von der ganzen Scene unterrichtet war.
Wir giengen in dem Garten, um dort unsere gewöhnliche Lection zu halten, und uns dann zu unterhalten. Er machte mir aus der Bruchtrechnung die*
die <…>
Operationen, die er die vorigen Täge schon gelernt hatte, vortrefflich, er studierte eine neue an; er*
er <laß>
las und übersetzte aus dem Ungarischen freiwillig dreimal mehr; als sonst, und nachdem*
[.]achdem [Átírással javítva.]
ich ihn belobt und geküßt*
und <liebkosen> |geküßt| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
hatte, sagte er ganz naiv: Heute war ich ein dummer Narr! ich aß sehr wenig, und nun hungert es mich. So werde ich nicht mehr trotzen.*
mich. |So werde ich nicht mehr trotzen.| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Liebe Rosi! geh nach Haus, und*
und <bitte mir>
bringe mir von der Mutter ein Stück Brodt.
Geh, Rosi! sagte ich!*
Geh, |Rosi!| sagte ich <Rosi>! [Betoldás a sor fölött.]
und sage der Mutter, sie soll die Speisen aufwärmen, die sie aufgehoben hat. – Nun war er ganz lustig, schob Kegeln, aß recht wohlgeschmack, dann ließ ich ihn noch drei Stunden bis 9 Uhr im Garten, und auf dem Festungsberg herumlaufen, und er schlief recht gut.
Seit dieser Scene ist er ganz verändert. Er folgt, er ist selbst mit den Kindern artig, er kömmt, ich kann es mit Recht sagen, meinem Wünschen vor, mit einem Worte: er ist ein Engel. Aber wir kommen auch allen seinen unschuldigen Wünschen vor, und machen ihm*
ihm <auch>
unerwartete Freuden. Auf diese Art habe ich ihn in zwei Wochen dort, wo ich ihn haben wollte. Hätte ich ihm anfangs alles zugelaßen, hätte ich ihm nicht ein paarmal die Zähne gezeigt, hätte ich ihn nicht zum Lernen gebracht, er würde mir einem halben Jahr nicht das geworden, was er jetzt ist.
Damit er aber dieses auch bleibe, brauche ich nun von E. G. und von Herrn Baron eine nachdrückliche Hülfe, und diese besteht darin, daß ihm E. G. und der Papa*
Papa <ohne>
nicht die mindeste von seinen Bitten gewähren, ihm, nicht das mindeste geben oder kaufen ohne mich*
ohne <[…] mir dazu> |mich| [Betoldás a törlés fölött.]
in seiner Gegenwart*
Gegenwart <um die Erlaubniß>
zu fragen, ob ich es für gut befinde? ob er es verdiene? ob ich es erlaube. Seine Liebe gegen die Eltern,*
Eltern, <…>
als Geber, wird dadurch nicht geschmälert, besonders, weil er von mir nie etwas, als mein Geschenk, sondern immer als Geschenk der Eltern bekömmt. Mein Ansehen im Gegentheil ist auf diese Art sicher gestellt. In unserm Hause giebt ihm niemand das mindeste ohne meiner Erlaubniß. Dieses ist er schon so gewöhnt, daß er nicht einmal etwas trinkt, oder eßet, ohne mich zu fragen.
Um E. G. die Nothwendigkeit dieser Aufrechthaltung meines Ansehens*
<Auf>|An|sehens [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
unvergeßlich zu machen, erzähle ich hier eine kurze Anecdote von einem italiänischen Schulmeister. Der Kaiser – man sagt, Joseph der zweite, – kam ohngefehr in eine*
<s> eine
Schule. Der Schulmeister stand gravitätisch auf, nahm sein Käppchen ein wenig von Kopf herunter, begrüßte den Kaiser, und setzte sein Käppchen wieder auf. Er beantwortete die Fragen des Kaisers in einem freimüthigen Tone,*
Kaisers |in einem freimüthigen Tone,| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
spatzierte mit ihm in der Schule auf und ab, und gieng mit ihm um, wie mit seines Gleichen. Als der Kaiser aus der Schule gieng, begleitete ihn der Schulmeiseter, fiel in dem Vorhaus auf die Knie, und sagte: E. Majestät verzeihen mir, daß ich in der Schule mein Käppchen aufgesetzt*
aufgesetzt <habe>
und mich so betragen habe, als wenn ich gar kein Unterthan wäre. Wenn meine Kinder das wüßten, daß in der Welt noch ein größerer Herr sey, als ich, ich würde mit ihnen nichts anfangen können. – Der Kaiser lachte und bewunderte zugleich seine Einsicht in die Beschaffenheit des kindischen Alters; er belobte und beschenkte ihn.
Nun etwas vom Namenstage. Unser lieber Laczi wußte gar nichts davon, und niemend mahnte ihn darauf, damit er desto mehr überrascht werde. Katzianer und Sie waren den vorigen Tag hier, um ihm zu gratulieren; aber auf unsere Bitte begnügten sie sich mit der Aüßserung, daß sie ihn besuchen wollten. Bei der Feyerlichkeit hätte ich sie gerne gehabt, aber sie hatten zu thun. Ich verfertigte auf diesen Tag ein kleines Gedicht, welches ich drücken ließ, und hier anschließe,*
ließ |und hier anschließe,| [Betoldás a lap alján, korrektúrajellel.]
unser Freund Seiler setzte es in d. Singstimmen, und bath mit sich in meinem Namen den Klaviermeister vom Grafen Sándor, dann einen Beamten von der Lotterie, und einen von der Erzherzoglichen Capelle, alle drei ansehnliche Männer, und gute Sänger. Diese hatten sich Abends um 7. in*
in <mein Zimmer>
unser Studierzimmer versammelt. Laczi war bei den Ossitzkyschen Kinder, und bewunderte das große Segelschif, was ihm O. auf diesen Tag verfertigte. Ganz ohngefär und ungebeten kamen in diesem Augenblicke die Fanni mit ihrer Kameradin, um sich von der Ossitzky*
Ossitzky<s>
zu beurlauben, weil sie auf das Gut des H. Barons Laffert geht. Ich führte nun unseren Laczi nach Hause, und alles kam nach, was beim Ossitzky war. Ich sagte ihm: ich hätte Gäste, bei denen ich ihn aufführen wollte. Er kam ungern. Mein liebes Kind!*
Kind! <morgen>
sagte ich ihm endlich, morgen ist ihr Namenstag, und diese Herrn sind gekommen, ihn zu verherrlichen, und diesen Wunsch, den ich gemacht habe, und drücken ließ, abzusingen. Machen Sie ihr Compliment, und setzen sie sich. Er war verlegen, setzte sich, und hörte alles an. Am Ende des Gesangs machte er ein ernsthaftes Compliment, und konnte sich noch nicht fassen. So etwas ist ihm noch nie wiederfahren; er wußte nicht, wie er sich benehmen soll. Einige Quarteten sind noch abgesungen worden, die für*
für <Kenner>
Kenner einen ungemein grossen Werth haben. Mit Sailer war Laczi schon vorhero bekannt; diesem näherte er sich also, und wurde freundlicher. Sailer sagte ihm: daß sie jetzt von dem Capuciner-Bart etwas lustiges singen werden; er soll gut Acht geben. Sie*
Sie <sorgen>
syllabisierten die Worte: Venerabilis barba Capucinorum singend. Es ist sehr meisterlich in die Musick gesetzt, und zugleich sehr komisch. Dieses unterhielt ihn so gut, daß er es sich später, wie diese Herren um halb zwölf Uhr gegen Mitternacht weggehen wollten, noch einmal ausgegeben hat. Nun war er aber ganz der angenehme Laczi, setzte sich unter die Sänger türkisch auf mein Kanape, und horchte mit der strengstes Aufmerksamkeit allen Quarteten bis an das Ende zu. Ich gab vorläufig der Marie 25 f. und sie gab diesen zweierlei Braten, Milchbrodt, und aus ihrem Keller Wein. Die Fanni ist erst um 10. weggefahren. Nachdem der Capuciner-Bart das zweitemal, als Finale abgesungen war, sagte er Gute Nacht! und begehrte ins Bett. Aber wie war er überrascht, als er in sein Schlafzimmer gieng, und sein Bett*
Bett<,>
mit Wein-Guirlanden garnirt, auf seinen Kopfkissen einen schönen Blumenkranz, den er alsogleich auf den Haupt*
den <Kopf> |Haupt| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
setzte, und bei der Seitenthür ein Transparent fand, wo die Buchstaben unter den Wolken brannten: Vivat Laczi! Er betrachtete alles mit Freuden; denn er war gleich nach dem ersten*
ersten <Gesang>
Capuciner-Bart sehr lustig und*
und <wir>
angenehm-gesprächig geworden. Nun setzte er sich bekränzt zwischen die Guirlanden auf sein Bett, und betrachtete sich von allen Seiten. Endlich sangen die Kinder einige Verse ab, die ich hier schriftlich mittheile. Er horchte lächlend, und als sie geendigt hatten, umarmte,*
umarmte <er>
und küßte er sie. Nun gingen die Herren weg, und er ins Bett. Unter seinem Fenster sangen die Herrn noch auf der Gaße ein Quartet, wo am Ende Gute Nacht gewunschen wird. Er schrie ihnen aus dem Bette einigemal ebenfalls eine gute Nacht nach, und parodirte ihren Gesang.*
nach, |und parodirte ihren Gesang.| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Ein besonderes*
Ein<..> besonderes <Probe>
Zeichen seines Vergnügen war, daß er den H. Sailer gerade aus seinem eigenen Trieb auf den andern Tag zum Mittagessen einlud. Nach Mittag gieng er mit den Kindern und mit O. in den Garten, um sein Schif in das Meer, welches der Bassin vorgestellt hatte, unter Segel zu laßen. Er belud es mit Coconüße und Pomeranzen, das heißt: mit Kirschen und Ribiseln, und verkaufte sie dann den Kindern für steinerne Münzen.
Heute, den 28. Junij*
Heute, |den 28. Junij| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
wollte ich ihn zum Lernen nicht auffordern, weil morgen ein Feyertag, und übermorgen Sonntag ist. Diese Täge erklärte ich für ihn und für die Kinder für Vacanzen wegen dem heiligen Namenstag. Statt der Lection führte ich ihn in die Buchdruckerei, und Schriftgießerei, wo man ihm alles, so viel möglich, begreiflich machte. Er war mit mir sogar im Verlage, wo einige gewölbte Zimmer mit unegbundenen Büchern voll sind.
Bist denn du, alter Bruder! des Plauderns noch nicht müde? werden E. G. sagen. Liebe Schwester! wo das Herz voll ist, geht der Mund über. Unser Laczi ist ein Engel; er wird täglich auffallend braver und uns allen*
<.>allen <schätzbarer>
eben darum täglich*
täglich <schä>
lieber und schätzbarer. Weil er den Karl mit seinem*
seinem <Nun ein wenig auf das Oeconomische!> [Ceruzával áthúzva.]
Vater Violin spielen fast täglich hört, denn er hat es sich ausgebeten, ihn dazu zu rufen, so hat es eine große Lust zu der Violin bekommen. Was sagen E. Gnaden dazu? Soll ich ihm eine kleine Violin kaufen oder nicht? Ossitzky will ihm die Anfangsgründe beibringen. Nachdem unser Instrument reparirt, oder ausgetauscht seyn wird, werde ich mit ihm auch das Fortepiano anfangen.
Heute den 29ten ist er früh morgens mit seinem neuen Schreibtisch beschäftigt,*
Schreibtisch <befertigt> |beschäftigt,| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
den wir gestern Abends vom Tischler bekommen haben. Ich mußte ihm, sobald er aus dem Bette gekrochen war, schön eingebundene Bücher mit goldenem Rücken geben, um die Fächer seiner Bücherstelle mit denselben anzufüllen. Dann übte er sich im Schönschreiben aus den Normal-Vorschriften, und endlich unterhielt er sich mit dem Bertuch. So gewöhnt er langsam das Lernen und die nützliche Beschäftigung,*
Lernen |und die nützliche Beschäftigung,| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
wobei ich ihm aber die körperliche Motionen mit unter gehörig verschafe.
Aber liebe Schwester! was machen wir mit der täglich steigenden Theuerung? Ich habe vom Tischler einen Conto, der für das Einschneiden der Bretter in 2. Bettstätte, für eine neue Bettstatt, für einen runden Eßtisch, für den*
für <einen> |den| [Betoldás a törlés fölött.]
Tisch das Bedienten, für den Schreibtisch des Laczi, und für einen Gewand-Rechen 112 f. austrägt. Ich zahle ihn nicht aus, bis Euer Gnaden nicht kommen. Es ist gut, daß ich alles Geld, was mir E. G. gegeben haben, in Massa bei mir behalten,*
gehalten [Átírással javítva.]
und den Ossitzkyschen nur einen Theil davon gegeben habe. Die Kleinigkeiten, die ich täglich besorgen muß, und die anfangs zahlreich sind, hätte ich sonst nicht verschafen können. Wenn E. G.*
E. [.] [Átírással javítva.]
kommen werden, so*
so <mache i>
schlüße ich meine Rechnung wieder. Kleine Rechnungen sind leichter zu übersehen. Die Marie küßet E. G. die Hand, und bittet nochmal sehr inständig um etwas Schmalz. Wenn sie vom Einkaufen nach Hause kömmt, und die Ausgaben zusammenrechnet, so wird sie gewöhnlich nachdenkend, und sagt endlich: In*
in [Átírással javítva.]
Gottes Namen! Was soll das heißen? fragte ich sie neulich. Sie berechnete mir, was sie ausgegeben hat, und sagte endlich: Mein Schicksal ist in den Händen eines redlichen Vaters, einer zärtlichen Mutter; sie laßen mich nicht sinken. Das ist es, was ich bei meinem In Gottes Namen denke.*
sinken. |Das ist er, was ich bei meinem In Gottes Namen denke.| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
Sie laßen dich nicht sinken, Marie! war meine Antwort; denn du erfüllst deine Schuldigkeit gegen Ihren größten Schatz, gegen Ihren lieben Sohn redlich. Hatte ich Recht, liebe Schwester, lieber zärtlicher Vater?
Den 28ten dieses sind schon die blauen Exemplarien von den neuen Einlösungs-Scheinen an die Kaufleute und an die Statthalterei angekommen. Man zweifelt nicht, daß auch die wirklichen in einigen Tägen nachfolgen werden. Dann, hoffe ich, wird auch die Theuerung zu sinken anfangen.
Den 30ten dieses hatte ich mit unserem Laczi in Betref der Aufführung einen entsetzlich bösen Tag. Er wollte mit mir durchaus in die Kirche gehen,*
gehen, <um in Nachhausegehen>
weil ich ihm im Nachhausegehen ein paarmal Obst gekauft habe. Als wir mit Kirschen beladen*
beladen <nach>
nahe bei unserem Hause waren, murmelte er etwas zwischen den Zähnen, was ich unmöglich verstehen konnte. Ich fragte ihn, was er sage? Er murmelte es noch unverständlicher. Ich verstehe es nicht, sagte ich, sagen sie es mir lauter Stimme. Ich führte ihn, wie gewöhnlich, bei der Hand. Auf meine zweite Frage warf er meine Hand aus der seinigen, und stoßte mich weg. Ich gab ihm einen Verweis, und er trotzte. Er wollte durchaus nach den Bedienten gehen, und unter der Einfahrt blieb er stehen, und wollte nicht hinauf, bis ich ihn nicht bei der Hand gefaßt, und hinauf geführt habe. Er söhnte sich bald wieder aus durch sein gewöhnliches: Ich bitte um Verzeihung, ich werde es nicht mehr tun, aber um noch größere Excesse zu machen. Er lavierte in der Küche, in der Speiß, in den Ossitzkyschen Schubläden, und aß sich so voll, daß er zu Mittag kaum etwas Suppe und Rindfleisch eßen konnte. Nun gieng das Schimpfen über das Speisen bei der Tafel an, weil er sie nicht genießen konnte.*
konnte. <…>
Dieses that er auch sonst fast täglich; ich wußte aber nie die wahre Ursache, bis man mir endlich gestanden hat, daß er sich*
er |sich| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
früh morgens mit Semmel, Milch, Kirschen, und*
und <…>
was er nur finden kann, satt eße. Ich dissimulirte sein Nichteßen bei der Tafel, weil er*
er <…>
dadurch, daß er nicht gegeßen hat, sich selbst hinlänglich gestraft hatte. Nach Mittag war er im Garten so ungestüm, daß er dem Karl eine Ohrfeige gab. Die Strafe war, daß sich Karl abgesöndert hatte, und zu der Mutter nach Hause gieng. Abends söhnte er sich mit ihm wieder aus, aber dann guckte er die*
die <..>
Marie an. Er begehrte früher, als sonst, das Abendeßen, weil uns*
weil |uns| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
aus dem Garten das Donnerwetter viel früher nach Hause gejagt hatte. Sie machte vor der Zeit Feuer, um ihn zu berfriedigen. Er hatte unter andern ein eingemachtes Kalbfleisch. Die*
Die <…>
Sauce gefiel ihm, weil er hungrig war; aber wie er das Fleisch von den kleinen Knochen abzuklauben zu langweilig fand, fieng er an zu schimpfen. Ich machte ihn aus; er trotzte, und aß wieder nichts. Nachdem alles abgegeßen hatte, begehrte er von der Marie mit den gröbsten Ausdrücken zum eßen. Sie wollte frisch kochen; ich ließ es aber nicht zu, uns sagte: er soll ein ordentliches Leben sich angewöhnen; er soll sich früh morgens nicht voll eßen, damit er zu Mittag eßen könne; dann wird er abends nie*
abends <nicht> |nie| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
hungrig werden, und viel ruhiger schlafen, als wenn er Abends sich anfüllt. Nun gieng das Weinen, und Schimpfen an. Er sagte mir, und der Marie Grobheiten, die auffallend waren, sie z. B. Meinetwegen geben sie mir s. r. Hundsdreck zu freßen, ich werde ihn eßen, wenn der Geistliche Herr es befiehlt, und mehr dergleichen. Endlich nahm ich ihn bei der Hand, und führte ihn ins Bett. Nach einigen groben Ausdrücken, die er gegen mich brauchte, und die ich endlich gar nicht*
nicht <…>
hören wollte, setzte ich mich zu meinem Schreibtisch, und er fieng an, beßere Saiten aufzuziehen, und mich aus seinem Bette um Verzeihung zu bitten. Diesmal habe ich mir aber vorgenommen, nicht so leicht zu verzeihen, weil ich aus der Erfahrung gelernt habe, daß er die leichte Verzeihung gern mißbraucht. Ich sagte ihm, er müße die Verzeihung durch seine gute Aufführung erst verdienen. Sehen E. G. wie hart man selbst mit guten Kindern umgehen müße, um sie von solchen Gewohnheiten und Neigungen abzubringen, die von ihnen mit der Zeit alle Menschen verscheuen könnten, wodurch sie endlich zu Misanthropen werden müßten.
Heute, den 1. Julij*
Heute, |den 1. Julij| [Betoldás a lap szélén, korrektúrajellel.]
ist der Regiments-Befehl nicht mehr die Ossitzkysche Schwelle zu betreten, wo er ohnehin nach meiner Instruction kein Gehör finden würde.*
würde. <.>
Auch die Kinder kommen nicht zu uns. Niemand speiset mit uns. Er sitzt schon um 7. Uhr früh bei seinem Schreibtisch, und bereitet sich zu der heutigen großen Repetition, die ich nach den Vacanzen von 4 Tägen halten muß. Er*
Er <…>
ist heute wieder freundlich, als wenn er nichts angestellt hätte; aber wir alle sind gegen ihn kalt, doch höflich.