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Kazinczy Ferenc – Mailáth Jánosnak
Széphalom, 1817. október 16.

Hochgeborner Herr Graf,
Ich werde mich nie ohne wahre Freude der schönen wenigen Augenblicke erinnern, da ich glücklich war, den Mann kennen zu lernen, den ich vorher schon von so vielen Seiten her hochgeachtet habe, und den ich nun nicht bloss wegen seiner hohen Bildung, sondern auch wegen seiner heiligen Anhänglichkeit an das Heilige hoch ehren muss. Empfangen, Sie, mein Herr Graf, meinen wiederholten Dank für die Ehre, für das Glück Ihres Besuches, und gönnen Sie mir immer ein geringes Plätzchen in Ihrem Andenken. Mich Ihrer gütigen Gesinnung werth zu machen, soll mein eifrigstes Bestreben seyn. Und führt Sie irgend ein Geschäft wieder in meine Nähe, so lassen Sie mich dieses Glück wieder, und erlauben es die Umstände, länger geniessen.
Die Prosodie der Ungarn besteht aus zwey Regeln: 1. Alle accentuirte, im Schreiben mit einem Accente bezeichnete, Vocale sind lang, alle, die mit einem Accente nicht bezeichnet sind, bleiben kurz. van, vala, feje, keze sind kurz; száj, bú sind lang. – 2.) Hat ein kurzer Vocal zwey Consonante hinter sich, so wird er lang – ganz wie im lateinischen – vannak némellyek sind durch das folgenden sowohl im van|nak, als auch in vannak|némellyek in lange verändert worden.
Unterdessen gilt es auch bey uns, was die lateinische Prosodie lehrt: Si mutam liquidamque simul brevis una praeibit, Contrahet orator, variabit carmine vates.
lyánykă ke | blĕmbe röpülj –
in keblembe wird das erste e, braucht es der Dichter so, nach der 2ten Regel, lang; heischt aber das Metrum, dass es kurz sey, so kann es auch, trotz der Regel, kurz seyn, weil das Wort eigentlich so stehen sollte:
ke-be-lem-be,
und durch eine Crasis
ke-b’lem-be.
Der Dialekt macht manche unserer Wörter ancipites, man lese solche, wie sie der Dichter im Schreiben bezeichnet hat. Berzsenyi sagt S. 16:
Nézzd, a’ Ság’ tetejét hófuvatok fedik.
fuvat sollte eigentlich fúvat seyn, weil das u im Radix fúni, fúttam, fúvás, fúvat lang ist. Aber ihm hat es gefallen, transdanubianisch kurz auszusprechen, und es auch ohne Accent so zu bezeichnen: und wir sind schuldig es so zu pronunciren.
Wegen dem patriotischen Lied will ich an Comtesse Gyulai schreiben, und hoffe so, daß ich Ihre Befehle vollenden kann.
Dürfte ich hingegen, mein Herr Graf, Sie um eine Gütigkeit bitten? Hauptman Sisak hat mir die Übersetzung des Arabischen Gnome von dem Grafen Joseph Dezsőffy mitgetheilt. Die ist in jedem Sinne vortrefflich; nichts ist daran zu tadeln. Nur möchte ich das Hemistich des Pentameters Élj, hogy | holtod | kor in Élj, hogy halálodkor umändern. Die zwey Spondeen sind schwerfällig, und das h statt einer Consone zu nehmen, ist eine Grille. H ist, meinem Gefühle nach, ein Mittelding zwischen einem Vocal und einer Consonante; sollte es,*
sollte <sich> es,
dieses h auch nur so hart lauten, wie der weicheste Mitlauter l ? um so mehr wie ein k, t, r, n, m, p u[nd] so w[eiter]? Gewiss nicht! H macht nur in der Mitte des Wortes eine positio poetica: adhatok, láthat, verhet ist freylich hart.
Ich wünschte zu wissen, von wem diese Arabischen zwey Zeilen gedichtet sind, und wer in Deutschland alle Sprachgelehrten aufgefordert, hat, sie in eben so viele Zeilen zu übersetzen, damit ich die Dezsőffysche Übersetzung mit dem Arabischen Originale, und der Nachricht über diese Aufforderung in das Tudom. Gyüjtemény oder das Erdélyi Muzéum einschicken kann. Ich bitte Sie darum inständigst, mein Herr Graf.
Hier eine Übersetzung in Reimen, und 11 Wörtern:
Midőn sírva levél, azok nevettenek:
Élj, hogy vígan halhass, ők keseregjenek.

Eine Gnome darf auch etwas dunkel oder steif, gleichsam änigmatisch seyn. Hier also in 6 Wörtern:
Sírva lettél: vígadtanak;
Halj vígadva: búsuljanak.
oder:
Hal-meg vígan: búsúljanak.

Meine Frau empfiehlt sich Ihnen, mein Herr Graf, mit allen Gefühlen der Verehrung, und ich bitte Sie, mich dem Andenken Ihres Freundes, dessen Bekanntschaft ich auch zum Glück nehme, empfehlen zu wollen.
Mein Herr Graf Ihr
unterthänigster Diener
Kazinczy Ferencz.

Széphalom d[en] 16. Octob. 1817.