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Kazinczy Ferenc – Rumy Károly Györgynek
Széphalom, 1813. április 17.
Széphalom, den 17. April 1813.
Theurester, geliebtester Freund!
Unsere Theilung ist geschehen. Wir signirten sie zu Ér-Semlyén den 10. dieses. — Meine Eltern gehörten zu den Wohlhabendesten. Aber da dieser ihr Besitz in sieben gleiche Theile zerstückelt werden mußte, so ist es leicht einzusehen, daß ich selbst wohlhabend nicht mehr seyn kann. Überdies hinterließ mein Bruder, der Obriste, Schulden, und meine eigenen zu tilgen. Und nun wäre ich unklug und sträflich, wenn ich mein Wohl und das Wohl meiner Kinder, die einst dieses Siebentel unter sich theilen werden, meinem Hange, und wenn diese die edlesten sind oder wären, nachsetzen möchte. Ich schrenke [!] mich hinfort auf das allernöthigste, auf das unentbehrlichste, ein, und weg, weg alles, was dem Interesse meines Beutels entgegen ist. Ich zittre bey dieser Vorstell[un]g; nie habe ich gedacht, daß ich dieß werde thun müssen. Aber ich muss, und so thue ich es gewiß.
Ich bleibe hier, und das Drittel von dem hiesigen Besitz meines Vaters bleibt mein; in Tárkány eine Session, und die Hӕlfte der Portion in Petneháza (Szabolcser Com[itat]), dann der sehr gute Weingarten in Ujhely, den mein guter Bruder verwildern ließ, den ich aber herstelen werde, weil er in Ujhely den besten Wein gibt, und weil er mich an seinen Aquisitor, Peter Kazinczy um das Jahr 1670. erinnert.
———
Sophie und meine Lieblingin Eugénie sind in Kázmér; ich will hinreiten. Vergeben Sie mir meine Eile, und halten Sie sich für mein langes Schweigen dadurch entschädigt, daß ich Ihnen diesen Brief trotz meiner Eile zu die, die ich sehr lange nicht sah, schreibe. — Ihre Stilistik erhielt ich als ich nach Semlyén fuhr. Die Kälte und meine geschwächte Augen erlaubten mir auf der Hinreise nicht es zu lesen, und in Semlyén blieb mir keine Zeit. Ich flog das Werk nur durch. Excellent und sehr, sehr brauchbar, sehr angemessen für die, die Sie vor Augen hatten, und Sie hatten doch gewiß nicht bloß die Schuljugend vor Augen. Ich glaube in dem Werke unverhältnißmäßige Ausdehnungen gefunden zu haben. Ich mache Ihnen daraus um so weniger ein Verbrechen, daß ich vielmehr gewünscht hätte, Sie hätten sich bey allen Artikeln eben so weit extendirt; Sie hätten recht sehr viele Beyspiele, als treflich [!] oder*
oder [Átírással javítva.]
schlecht, angeführt. – Als ich Ihre Bemerkungen über Ungarns Sprache las, umarmte ich Sie im Geist: bey dem Anblick meines Namens ward ich aber hochroth. Ihre Liebe zu mir führt Sie zu weit, mein theurer, verehrter Freund. Und Kis, unser trefflichster Prosaiker – das ist er gewiss! – ward nicht genannt! Sie werden sich gescheut haben, daß man sein Lob in Ihrem Werke für Schmeicheley ansehen wird. So lege ich es mir wenigstens aus.
Eben wollte ich Ihnen von Hormayer das sagen, was Sie mir schrieben. Doch muß ich etwas in Ihrer Nachricht berichtigen. Er bewohnt eben das Zimmer, welches ich einst (1800 25 Aug[ust] – 28 Jun[i] 1801) bewohnt habe. Er wird nicht nur schonend, sondern gnädig behandelt.
Dem Cserei habe ich Ihre Stilistik zugeschickt. Er hat auch das geogr. W[örter]buch in Händen. – Herzlich bedaure ich, daß Ihre Statistik von Spanien das Imprimatur nicht erhalten hat. −
Gustermanns Werk habe ich endlich gesehen. Lesen konnte ich es nicht. Ich versichere Sie, daß es mir dort, wo ich es lesen konnte, recht sehr gefiel, und so bald ich Zeit habe, werde ich mich darin einstudiren. –
Ich lege Ihnen hier 3 Epigramme bey, die mir sehr gut gerathen scheinen; besonders dasjenige, welches Sie errathen. Leben Sie wohl, lieber Freund. –

[Melléklet:]

Bey der Statue Laocoons.
Videatur Virg. Aen. L. II.

Tűrd nagy kínjaidat, szent Polgár, ’s halj-meg! Hazádért
Tűrsz és halsz; – győzött a’ fene, ’s Trója nem ál[l].*
ál Tollhiba, em.

Perfer cruciatus tuos, sanctissime Civis, et subi mortem tibi intentatam. Ob charitatem patriae cruciaris et moreris. Quid te vivere juvat, cum immanis Dea (Minerva) triumphat et ruit Ilium? –

Bey der Statue der Callipygos.

Mind! mind, lyányka! nem ezt egyedűl! ’S nagy Jupiter, engedd,
Váljon hármassá nékem is eggyszer az éj!

Zeige sie alle, alle deine Reize schönes Mädchen, und nicht einzig diese da πυγη du großer Jupiter, gib, daß die Nacht sich einmal auch mir, wie dir bey der Alkmene, verdreyfache.
Zwey Mädchen in Griechenland gingen auf einem Weg, und nun entsand der Streit, welche schönere formen an ihren Hintern habe. So erzählt es die artistische Legende. Ein Jüngling war der Richter. Die Siegerin baute einen Tempel der Göttin Callipygos, und Griechenland ließ das Mädchen in Marmor arbeiten. Die Natur existiert, und in Wien ist ein Gypsabguß davon. Das Mädchen, vorne ganz bedeckt zieht ihr Kleid dort auf die zwey Seiten, und lacht hinblickend.

Madonna. Gemalt von Carlo Dolce.

Melly báj, melly fennség, melly csendes bánat ez arczon,
És melly szent megadás ’s gyermeki bízodalom.
Isteni ’s emberi Szűz, e’ kép látatja mi voltál;
Fessen kín nélkül Dolce, ’s mutatja, mi vagy.

Welche Zubringe, welche Hoheit, welcher stille Schmerz auf diesen Antlitz, und welch eine heilige Resignation und kindliches Verstrauen. Betrübte Mutter, himmlische Jungfrau, dieses Bild läßt uns sehn was du warst; das du in deiner Verklär. bist, ließe es uns sehn hätte es Dole [!] ohne Schmerz gemalt.